Tübingen Ansage im Bus in der Linie 19

Einer dieser normalen Arbeitstage ist heute. Ich radle mit dem Rad von zu Hause zum Bahnhof nach Reutlingen. Ich liebe es, meinen Körper zu bewegen. Nein, mein Liebster braucht mich nicht zum Bahnhof zu fahren, die paar Nieseltropfen erfreuen meinen Körper. Ich stelle mein Rad wie gewohnt am Fahrradständer ab, warte auf den Zug. In Tübingen angekommen führt mich mein Weg zur Bushaltestellt. Linie 19 erwische ich heute. Einen Sitzplatz gibt es auch. Ich hole mein Smartphone aus der Tasche und checke meine Emails. Ein Student setzt sich neben mich, ebenfalls sein Smartphone in der Hand, es sieht aus als ob er zockt. Der Bus ist voll, die Geräuschkulisse entsprechend.

StreetArt gesehen in Reutlingen

Wer Spricht da?

Plötzlich ist Stille, der Fahrer spricht. „Ihr fahrt mit der Linie 19, Euer Fahrer ist Herr Tischler (habe ich den Namen wirklich richtig verstanden?) und ich finde die Welt könnte schöner sein, wenn wir alle etwas netter zueinander wären. Ich wünsche Dir, dass Dir heute alles gelingt, das Du Dir vorgenommen hast, dass Du nur nette Kontakte hast und dass Du sicher bist.“ Er hat noch mehr gesagt, aber ich konnte mir gar nicht alles merken. Was ist das denn? Meine Kollegin hat zwar schon öfters davon gesprochen, dass Sie mit einem Bus gefahren sei und der Busfahrer hätte nette Sachen gesagt. Und es live zu erleben – was für ein Genuss.

Applaus – welche Veränderung!

Das eine war mein Überraschungsmoment. Aber was mich wirklich sehr erstaunt hat – die Stimmung im Bus ist von dieser Minute an eine andere. Die anonyme Atmosphäre ist durchbrochen. Die Mitfahrer schauen sich an, ein Lächeln auf den Lippen. Die Smartphone-Nutzer erheben ihren Kopf, in Kontakt mit ihren Mitmenschen. Es scheint, als seien alle etwas näher zusammengerückt – auch wenn kaum einer seine Position verändert hat. Zum Glück kann keiner seine Ohren zuklappen, die Botschaft hat alle erreicht. Und alle sind sich einig: das war spitze! Herr Tischler bekommt Applaus und ich steige aus. Dankbar, dass ich diese Linie erwischt habe, dankbar, dass ich in den Genuß der Ansage gekommen bin. Er hat heute meine Welt ein wenig netter gemacht.

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Foto: Shivani Vogt (cc)

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