Yoga der Stille ist wie eine Reise über den Ozean

Oft weiß ich gar nicht was ich sagen soll, wenn mich jemand fragt, was ich bei meinem Guruji erlebe oder warum ich immer wieder zum Yoga der Stille gehe. Ich kann die Frage zwar beantworten – habe aber oft das Gefühl, gar nicht verstanden zu werden.

Eine Frau überquert den Atlantik mit dem Ruderboot

So ähnlich hatte ich mir das Ruderboot vorgestellt…

Gestern kommt mein Partner nach Hause und erzählt, dass er ein schönes Interview im Radio hörte. Eine Frau erzählte von ihrer Reise mit dem Ruderboot über den Atlantik. Aha. Ruderboot – Atlantik? Ich hatte ein hölzernes Boot im Kopf wie ich es vom Neckar in Tübingen kenne mit einer Frau drin, die zwei Ruder hält. Oder eines der hölzernen Boote der Fischer, die in Goa damit aufs Meer fahren. „Das sieht schon ein wenig anders aus.“ waren meine Gedanken als ich das Bild auf der SWR1 Leute-Seite erblicke. Janice Jakait ließ sich knipsen, als sie mit ihrem Hightech Boot in Portugal ablegte.

So viele Analogien zum Yoga der Stille

Aber was könnte an so einer Reise interessant sein? Was mir durch den Kopf schießt fragen sich auch die Menschen, denen ich vom Yoga der Stille erzähle. Was mir als erstes ins Auge fällt ist die Aufschrift auf dem Boot „for silence.com“ Es ist ein Fragment der Internetpräsenz Rawforsilence.com Die Frau hat etwas mit mir gemeinsam: Liebe zur Stille. Menschen fragen mich, was an Stille so anziehend sein soll? Nur wer es geschmeckt hat kann das wissen. Wie soll ich das vermitteln? Janice Jakait unterstützt mit Ihrem Projekt die Stille in den Meeren – es geht ihr um die „Ohren“ der Meerestiere. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. In meiner Arbeit mit Patienten im Klinikalltag erlebe ich immer wieder, dass man sich von allen möglichen Reizen abschirmen kann – aber Geräuschen ist man unweigerlich ausgeliefert. Die lassen sich nicht einfach ausblenden, man kann die Ohren nicht wie die Augen schließen. Doch die Stille, die ich meine hat gar nicht so viel mit den Ohren zu tun – es ist eine innere Stille.

„Hat Sich Ihr Leben dadurch verändert?“

Definitiv, klar – ja! Das ist die Antwort auf die Frage, die Stefan Siller ihr stellt. Auch ich könnte die Frage mit ja beantworten wenn es um Yoga der Stille geht. Wenn mich dann jemand fragt: „Inwiefern?“ werden meine Antworten oft nicht verstanden oder können nicht nachvollzogen werden. Die Extrem-Sportlerin sagt: „Ich bin im hier und jetzt angekommen und kann das Leben genießen.“ Genau, genauso. „Es ist eine Art von Freiheit, die man vorher nichtmal erahnt hat.“  Ja.

Sie spricht genau über das was auch mir so wichtig ist

„Das was ich da erfahren habe kann man sich nicht vorstellen. Ich bin immer irgendwelchen Konzepten von Glück nachgejagt. Der Kopf schnitzt sich Konzepte, die er einem vor die Nase hängt. Dieser Akt des Jagens ist die eigentliche Unzufriedenheit.“ Ja, das erlebe ich auch so. „Was ich gefunden habe ist der Augenblick, einfach mal das nehmen was man hat.“ Ja, genau. Wie soll ich nur Hingabe erklären? „Stille, Glück und Zufriedenheit ist jetzt im Augenblick hier.“ Anders könnte ich es auch nicht ausdrücken – es hört sich so unbedeutend an und dennoch kann man nicht viel mehr darüber sagen…

Dem kann man nur mit Hingabe begegnen

„Es ist immer diese Angst vor Kontrollverlust.“ Ja, davon kann ich ein Lied singen. „Wind und Wetter. Wenn die Natur mal loslegt, da kann man nichts machen.“ Ich als Kontroll-Freak war ganz schön erschüttert als ich zur selben Erkenntnis kam. Noch bin ich überzeugt, kann ich nicht in der ganzen Tiefe erkennen, wer oder was ein Guru wirklich ist. „Man kommt in diesen Demut-Modus. Das ist etwas, das mich ganz weit gebracht hat.“ Mein Wind & Wetter war eine körperliche Erkrankung. Die hat mich auch in den Demut-Modus versetzt. „Die Kontrolle mal abzugeben – man kann die Natur nicht kontrollieren. Man glaubt immer, man ist der Richter und Henker über Identität und Schicksal – ist man aber nicht.“ Ja, es ist schon ganz gut, das zu verstehen. Es auch zu erfahren ist eine echte Herausforderung. „Diese Gelassenheit, einfach mal hier zu sein, sich zurückzulehnen, demütig zu sein, dass so viele Dinge gut gehen, da liegt die Freiheit drin.“ Ja, das ist auch das was mir letztendlich geholfen hat, gesund zu werden.

„Man erkennt auch wie groß tatsächlich dieser Moment ist“

Hätte ich vorher auch nicht gedacht. Wer hat schon eine Vorstellung von dieser Gewissheit ‚Ich könnte jetzt das Universum mit einem Bissen verschlingen?‘ Und wer kann sich schon vorstellen was damit gemeint ist? „Ich bin im Moment, wo will ich noch hin?“ Stefan Siller versteht sie nicht, denn er entgegnet, dass sie doch noch vor hätte, über den Pazifik zu rudern…

Stille, die laut ist?

Ihr Buch hat sie „Tosende Stille“ genannt. Auch ich erlebe im Yoga der Stille, dass die Stille ‚brüllt‘. Der Meister meines Meisters, Sri H.W.L. Poonja wird noch heute der „Löwe von Lucknow“ genannt. Man sagt ihm nach, er habe gebrüllt wie ein Löwe. Er war sicher als Person auch nicht gerade leise – aber ich gehe davon aus, dass man damit die mächtige Kraft beschreibt, die in seiner Präsenz spürbar ist. Eindringliche Stille, kraftvolle Stille, pure Präsenz – poetisch wunderbar beschrieben als brüllende oder tosende Stille.

„Ich habe in ein Walauge geschaut.“

Sofort habe ich die Augen von Madhukarji vor mir. Was für eine Güte, die Gedanken stehen still. „Das ist ein Moment, da löst man sich auf im Unfassbaren.“ Besser könnte ich es auch nicht beschreiben. Einssein. Was für ein Genuss. Ich empfehle Dir beides – höre Dir das Interview an und setze Dich wenigstens einmal vor Madhukarji und schaue ihm in die Augen. Es lohnt sich!

Wie soll man diese Erfahrung nur vermitteln?

Ich bin weiter ratlos wie ich über meine eigenen Erfahrungen sprechen soll. Wie sie die Reise überlebt habe fragt Siller. „Rudern, Essen, Schlafen.“  Mich erinnert das an das Zitat eines Erleuchteten: „Vor der Erleuchtung Holzhacken, Wasserschleppen – nach der Erleuchtung Holzhacken, Wasserschleppen.“ Das was von außen zu beobachten ist, daran ist es nicht zu erkennen. Und wie geht es weiter? „Der Pazifik ruft.“ Ja, Einssein ruft, die Stille brüllt wie ein Löwe. Wie soll man diese Erfahrungen nur vermitteln? Ich weiß echt nichts anderes, als es auszuprobieren…. willkommen im Yoga der Stille!

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Bilder: Shivani Allgaier

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