Schau mir in die Augen – beim Yoga der Stille

Als ich das erste Mal bei meinem Meister im Satsang war, fragte er mich: „Warum verstecken Sie sich denn?“ Ich habe das nicht verstanden, denn ich hatte mich nicht dort hingesetzt, um mich zu verstecken.

Blickkontakt mit dem Meister

Und dennoch verstehe ich heute warum er fragte. Es gibt oft Teilnehmer, die enttäuscht sind, wenn er ihnen gar nicht in die Augen sieht oder wenn er aus irgendwelchen Gründen keinen Blickkontakt aufnehmen konnte. Andere wiederum strahlen vor Glück oder weinen Tränen der Glückseligkeit wenn sie vor ihm sitzen, Blickkontakt haltend. Wieder andere bekommen Lachanfälle und können gar nicht mehr aufhören mit herzerfrischendem Lachen. Schauen Sie im folgenden Video in die Augen von Sri Ramana Maharshi:

Was passiert, wenn Meister und Schüler sich in die Augen schauen?

„Schüler verschwindet, Meister verschwindet – unbeschreibliches Glück!
Es ist ein unermessliches Glück, einen Meister zu treffen, der Sie nicht verrät. Wenn Sie genau schauen, werden Sie sehen, dass der Meister nicht nur vor Ihnen sitzt, sondern durch Ihre Augen schaut. Es ist sehr außergewöhnlich, dass jemand frei sein will und ein reines Herz hat – wie Sie.“ (aus Einssein. Klarheit und Lebensfreude durch Advaita, S. 49).

Die Augen haben auch in der Wahrnehmung einen besonderen Stellenwert.

Bereits in meinem Studium  haben mich in der Wahrnehmungspsychologie die Augen fasziniert. Unsere Nervenzellen im Gehirn verarbeiten alle eingehenden Reize. Manche sind sehr spezialisiert, andere verarbeiten mehrere Reize. Im visuellen Großhirn gibt es Zellen, die reagieren nur, wenn Augen wahrgenommen werden. Bereits von Beginn an sind diese im Leben und zum Überleben wichtig. Der Säugling fokussiert die Augen der Mutter und ein erwachsener Mensch hält Blickkontakt und wird dadurch von seinen Mitmenschen als aggressiv, unsicher oder selbstsicher wahrgenommen.

Bild stammt von Jeflen von Flickr

Was Augen anbelangt lassen wir uns nicht täuschen.

Es gibt noch etwas Interessantes zu den Augen. Die Filmindustrie kann immer mehr auf digitale Bilder zurückgreifen. Mußte Spiderman vor Jahren noch horizontal auf dem Boden kriechend gefilmt werden, um dann im fertigen Film um 90 ° gedreht zu wirken als würde er die Hauswand hochklettern wird das heute ganz anders gelöst: Der Spinnenmann entspringt der elektronischen Feder von Mediadesignern. Der Computer ist jetzt die Geburtsstätte des Spinnenmannes. Allerdings mit der Ausnahme eines kleinen Details. Der Schauspieler ist auch heute  nicht ganz arbeitslos geworden. Denn unser Gehirn läßt sich nicht so leicht täuschen. Zumindest was die Augen angeht. Denn werden diese vom Computer erzeugt, hat der Zuschauer keine Freude beim Zusehen. Im Studio sitzt also der Schauspieler vor der blauen Wand und die Kamera filmt die Kopfbewegungen und die Blickrichtungen, die denen des Superhelden nachgeahmt sind. Die gefilmte Augenpartie wird in den Cyberhelden integriert und jetzt akzeptiert ihn unser Gehirn als menschenähnliches Wesen.


Der Darshan des Geliebten – in der Stille liegt die Kraft (Burnout Prävention)

Ob es auch an unserem Nervensystem liegt oder ob es eine andere Erklärung dafür gibt kann ich nicht sagen. Aber gewiss ist, dass seit Jahrhunderten die Menschen den Darshan ihres geliebten Meisters genießen. Darshan kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „Anblick“. Dabei schauen sich Devotee und Meister in die Augen. Wunderbares geschieht. Wellen von Dankbarkeit und Frieden. Die Gedanken kommen zur Ruhe. In der Stille liegt die Kraft. Ist das der Grund, warum neuerdings auch vom Burnout betroffene Menschen auf den Blick des Meisters schwören?

Welche Erfahrung machst Du im Blickkontakt mit Deinem Meister?

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